Chronologie  

CHRONOLOGIE

Haskenkreuz an Dönerimbiss. Quelle: de.indymedia.org

Rechte Gewalt in Brandenburg


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18.11.2008  » Rathenow / Havelland
Rathenow Am frühen Morgen drangen Jugendliche in einen Dönerimbiss ein. Sie beschmierten die Wände mit Farbe und Parolen wie »Hitler live« und »HaSS«, verteilten den Inhalt eines Feuerlöschers im Raum, verstreuten Rattengift auf den Lebensmitteln und brachen den Getränkeautomat auf. Es entstand ein Sachschaden von über 3.000 Euro. Die Täter wurden gefasst und in eine Jugendeinrichtung eingewiesen.  (Quelle: Quelle: MAZ, 19.11.2008; OPP)
08.11.2008  » Frankfurt (Oder) / Frankfurt (Oder)
Frankfurt (Oder) Am späten Abend drangen rechte Anhänger des Fußballclubs Viktoria in ein Wohnhaus ein, in dem der Verein Utopia seinen Sitz hat. Die Täter randalierten und rissen Plakate von den Wänden, daraufhin verließen sie das Gebäude. Kurz darauf wurden fünf Gäste des Vereins vor dem Haus als »Scheiß-Zecken« beschimpft und von einer Gruppe von etwa 15 Personen, die teilweise vermummt und mit Billardqueues bewaffnet waren, angegriffen. Drei Personen wurden leicht verletzt.  (Quelle: Utopia e.V. Frankfurt (Oder))
06.11.2008  » Eisenhüttenstadt / Oder-Spree
Eisenhüttenstadt Ein aus dem Libanon stammender Arzt des Krankenhauses Eisenhüttenstadt wurde am frühen Abend auf der Straße beschimpft und bedroht. Zunächst stellte sich ein Jugendlicher mit einer Eisenstange dem Mediziner in den Weg. Dieser konnte dessen Beschimpfungen nicht verstehen. Er flüchtete, als er fünf bis sechs weitere Jugendliche auf sich zukommen sah, in eine Gaststätte. Der Inhaber rief die Polizei.  (Quelle: IW, 06.11.2008; OPP)
31.10.2008  » Potsdam / Potsdam
Potsdam Am Alten Markt wurden vier linke Jugendliche von einer Gruppe Rechter angegriffen. Dabei verletzte ein bekannter Rechtsextremist drei Jugendliche durch Faustschläge und Tritte gegen Kopf und Oberkörper.  (Quelle: OPP)
18.10.2008  » Premnitz / Havelland
Premnitz Ein Stadtverordneter der Fraktion DIE LINKE und mehrere Begleiter wurden an einer Bushaltestelle von zwei in der Region bekannten Rechtsextremisten angegriffen. Dem Lokalpolitiker wurde Pfefferspray in die Augen gesprüht. Nachdem drei weitere Angreifer hinzugekommen waren, wurde er, am Boden liegend, gegen den Kopf getreten. Der Stadtverordnete und zwei Begleiter mussten sich in ärztliche Behandlung begeben.  (Quelle: MAZ, 20.10.2008)
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2008-02-25

Statistik rechter Gewalttaten in Brandenburg

Seit 2002 wertet die Opferperspektive registrierte rechte Gewalttaten statistisch aus.

Für das Jahr 2007 wurden 155 rechts motivierte in Brandenburg gezählt (Stand: 28. Juli 2008). Die Zahl rechter Gewalttaten lag damit höher als in den Vorjahren. 2006 und 2005 waren jeweils 140 Angriffe erfasst worden. Die 2007 registrierten Straftaten richteten sich gegen 254 Personen, weitere 86 Menschen wurden mittelbar als Begleitpersonen von Angriffen betroffen (2006: 186 und 73). Etwa drei Viertel aller rechten Gewalttaten sind Körperverletzungen; im Jahr 2007 waren es 113 der 155 Fälle. Daneben weist die Statistik der Opferperspektive für das vergangene Jahr 27 versuchte Körperverletzungen und Nötigungen, 5 Sachbeschädigungen und 9 Brandstiftungen aus. Letztere richteten sich überwiegend gegen Geschäfte und Gaststätten von MigrantInnen.

Zahl rechter Gewalttaten und Geschädigter

Statistik 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Gewalttaten (OPP) 130 117 137 140 140 155
Gewalttaten (LKA) 78 87 105 97 90 93
Direkt Geschädigte (OPP) 171 152 179 196 206 254

Stand: 28. Juli 2008

Die Fallzahlen des LKA und der Opferperspektive sind nicht direkt vergleichbar. Die Opferperspektive erfasst zusätzlich zu den vom Landeskriminalamt nach der Definition Politisch motivierte Kriminalität-rechts gezählten Delikten auch Bedrohungen, Nötigungen und Sachbeschädigungen. Bis 2005 waren, wenn man nur die nach dem Erfassungssystem PMK-rechts erhobenen Delikte betrachtet, dennoch erhebliche Abweichungen vorhanden. Seit 2006 enthält die Statistik der Opferperspektive auch die Fälle, die nur dem LKA bekannt werden. Diese werden regelmäßig den Antworten der Landesregierung Brandenburg auf Kleine Anfragen der Landtagsfraktion der Linken entnommen und in die Daten der Opferperspektive eingepflegt.

Zahl rechter Straftaten nach Tatmotiven

Motiv 2006 2007
Rassismus 50 68
Antisemitismus 8 2
Homophobie 0 0
gegen Behinderte 1 1
gegen sozial Benachteiligte 0 0
gegen politische Gegner 30 37
gegen nicht Rechte 42 38
Sonstiges 1 0
Unklar 8 10

Stand: 28. Juli 2008

Jede zweite Gewalttat ist von Rassismus motiviert, wobei etwa 90 Prozent der Rassismusopfer Flüchtlinge oder MigrantInnen sind; die übrigen sind russlanddeutsche AussiedlerInnen und andere deutsche Staatsangehörige. 68 von 155 Gewalttaten waren 2007 rassistisch motiviert. Knapp die Hälfte der Angriffe richten sich gegen nicht-rechte Jugendliche, Punks und Linke. 2007 wurden die Opfer in 37 Fällen als politische Gegner eingestuft, bei 38 Gewalttaten einem alternativen Milieu zugeordnet.
Eindeutig politisch motivierte Gewalt gegen Obdachlose wird nur selten festgestellt. Das liegt an der vergleichsweise schlechten Informationslage. Es wird vermutet, dass das Dunkelfeld bezüglich dieser Opfergruppe besonders groß ist. Ebenfalls vergleichsweise selten werden antisemitische Gewalttaten, Angriffe gegen Homosexuelle und gegen Behinderte erfasst. Das hat, neben dem Dunkelfeld, unterschiedliche Gründe. Antisemitische Straftaten sind überwiegend Propagandadelikte und Sachbeschädigungen, die hier nicht erfasst werden. Dazu kommt, rechte Gewalttäter wählen Opfer häufig spontan nach deren äußerer Erscheinung aus. Anders als Schwarze oder linke Jugendliche sind Jüdinnen und Juden wie auch Homosexuelle in Brandenburg in der Regel nicht durch ihre Erscheinung für Rechte zu erkennen.

Zahl rechter Gewalttaten nach Landkreisen/kreisfreien Städten

Landkreis/Kreisfreie Stadt 2002 2003 2004 2005 2006 2007
Barnim 10 6 3 6 7 5
Brandenburg an der Havel 1 1 2 2 1 1
Cottbus 13 9 9 9 7 13
Dahme-Spreewald 12 3 7 9 13 6
Elbe-Elster 1 2 1 5 1 9
Frankfurt (Oder) 5 7 6 2 13 8
Havelland 14 18 24 17 11 13
Märkisch-Oderland 4 7 15 6 3 9
Oberhavel 6 6 5 7 10 12
Oberspreewald-Lausitz 7 1 4 4 2 2
Oder-Spree 3 1 12 15 7 9
Ostprignitz-Ruppin 9 6 7 9 7 8
Potsdam 12 15 15 27 22 14
Potsdam-Mittelmark 2 6 7 8 9 8
Prignitz 4 5 1 3 2 2
Spree-Neiße 15 5 1 0 7 14
Teltow-Fläming 3 4 10 5 10 9
Uckermark 8 15 8 6 8 13

Stand: 10. Juli 2008

Diese Daten geben die regionale Verteilung rechter Gewalttaten in Brandenburg nach Verwaltungsgebieten wieder. Die Landkreise und Städte können nicht direkt verglichen werden. Denn enthalten sind nur Daten, die der Opferperspektive bekannt wurden, und die Quellenlage ist unterschiedlich gut. In der Größe, Einwohnerzahl und Sozialstruktur gibt es zudem erhebliche Unterschiede.

Pressemitteilungen

Einmal im Jahr gibt die Opferperspektive eine Pressemitteilung heraus, in der die statistische Entwicklung rechter Gewalt dargestellt und analysiert wird. Auf Grund von Nachmeldungen weichen die dort publizierten Zahlen von der auf dieser Seite wiedergegebenen Statistik ab.

2007: Zahl rechter Gewalttaten unverändert hoch

2006: Rechte Gewalt: Rückgang, aber keine Entwarnung

2005: Mehr rechte Angriffe auf alternative Jugendliche

2004: Rechte Gewalt erreicht Höchststand

2003: Gewaltige Abweichungen bei Angriffszahlen

2002: Mehr rechte Gewalt in Brandenburg

(OPP)

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